Homepage

Der Ruf des Falken

Es war einmal ein Prinz, eingesperrt durch einen Fluch in einer uralten Burg tief in den dunklen Wäldern am Rande der Erde. Oft hatte der Prinz versucht, den Wald zu durchqueren auf der Suche nach anderen. Er hatte immer nur in Büchern davon gelesen, dass es große Städte gab, mit vielen Menschen, erinnerte sich an die Erzählungen des alten Mannes, der eine Zeit lang mit ihm in der Burg gelebt hatte, dann aber vor einigen Jahren starb. Seitdem lebte er allein in der alten Burg.

Bei seinen Versuchen, den Wald zu durchqueren, war er immer wieder auf unüberwindbare Hindernisse gestoßen. Ein breiter Fluss, dessen starke Strömung jeden Menschen, jedes Tier, jedes Floß oder Boot mit sich gerissen hätte. In Richtung Norden stieß er auf eine Mauer von Bäumen, die so eng beieinander standen, dass selbst eine Maus Schwierigkeiten hatte, hindurch zu kommen. Wilde Tiere, doppelt so groß wie in seinen Büchern beschrieben, versperrten ihm den Weg. Der Prinz hatte es aufgegeben, den Wald zu verlassen und fand sich mit seinem Schicksal ab. Der Fluch fesselte ihn an die Burg bis ihm eine Fee aus dem Wolkenreich weit über dunklen Wäldern begegnen und lieben würde. Keiner wusste von der Existenz des anderen, beide wussten nichts von ihrem Schicksal. Die Burg befand sich auf einer wunderschönen Lichtung. Ein Bach plätscherte, der mit seinem klaren Wasser den Graben rund um das alte Gemäuer füllte. Eines Morgens stand der Prinz am Fenster und betrachtete die Tautropfen, die von den Strahlen der Morgensonne zum Glitzern gebracht wurden. Er verfolgte die Strahlen zurück.  Sein Blick wanderte von den Tautropfen an den Blättern der Blumen entlang, durch die Kronen der Bäume, hoch in den Himmel, streifte den Flügel eines Falken und blieb an etwas Glitzerndem in der Nähe einer weißen Wolke hängen. Der Prinz verlor den Sonnenstrahl und seine Augen richteten sich auf das Glitzern, das immer tiefer fiel und schließlich irgendwo in den Wipfeln des dunklen Waldes verschwand. Er verspürte einen übermächtigen Drang, der ihn in diese Richtung zog. Alle Vorsicht und früheren Versuche, den Wald zu durchqueren, vergessend, sattelte er sein Pferd und ritt in die dunklen Wälder, in der Hoffnung, das Glitzern würde so stark sein, dass es ihm den Weg weisen könne.

Vor ihm tat sich ein von ihm noch nie gesehener Pfad auf. Glücklich über diesen unerwarteten Weg, begab er sich in den Wald. Würde er das Glitzern finden können? Voller Unruhe ritt er immer weiter in den Wald hinein. Rings um ihn wurde es immer dunkler. Nur selten hatte ein Sonnenstrahl die Kraft, sich bis zum Waldboden durchzukämpfen. Unheimliche Schatten tanzten um den Prinzen und sein Pferd, das vorsichtig dem Weg folgte. Wie weit würden sie noch reiten müssen?

Wieder spürte der Prinz diesen übermächtigen Drang. Er ließ die Zügel seines Schimmels lockerer und es schien, als würde das Pferd den Weg von selbst finden. Plötzlich trat der Prinz aus dem Dunkel des Waldes und sah den reißenden Strom vor sich. Sein Mut verließ ihn fast schon wieder und er wollte sich gerade unglücklich auf den Rückweg machen, als er über sich einen Falken rufen hörte. Es war der, dessen Flügel vom Blick des Prinzen am Morgen gestreift worden waren. Es sah so aus, als ob der Falke dem Prinzen aufforderte, ihm zu folgen. Was hatte er zu verlieren? Der Prinz ritt in die Richtung, in die sich der Vogel gleiten ließ.

Pferd und Reiter nahmen jede Biegung des Flusses, kämpften sich durch dichtes Schilf, immer den Ruf des Falken im Ohr. Es wurde Abend und der Vogel war weder zu hören noch zu sehen. Der Prinz beschloss, am Fluss zu übernachten. Er band sein Pferd fest, versorgte es mit dem klaren Wasser des Flusses und legte sich schlafen. In der Nacht erwachte er vom Ruf des Falken. Der Prinz setzte sich auf und suchte den sternenklaren Himmel ab. Sein Blick fiel auf die Baumwipfel in der Ferne am anderen Ufer des Flusses. Da war es wieder, dieses Glitzern. Es leuchtete jetzt noch heller, strahlte wie eine kleine Sonne.Plötzlich war es Morgen und der Prinz erinnerte sich an das, was er in der Nacht gesehen hatte. War es nur ein Traum oder Wirklichkeit? Aber da war auch schon wieder der Ruf des Falken zu hören. Der Prinz sattelte sein Pferd und beide setzten ihren mühsamen Weg am Fluss fort, immer auf der Suche nach einer Stelle, an der sie ihn überqueren konnten. Nach einer ganzen Weile stoppte er sein Pferd, stieg ab und setzte sich ans Ufer. Er hatte beschlossen, sich kurze Zeit dort aufzuhalten, um Kraft für den weiteren Weg zu tanken und sich von den Strapazen des hinter ihm liegenden Weges zu erholen.

Aber aus der kurzen Zeit wurden Tage, Wochen. Was hielt ihn davon ab, seinen Weg fort zu setzen? In Gedanken verloren, lief der Prinz am Ufer auf und ab, kehrte aber immer wieder zu der Stelle seines Halts zurück. Auf seinen Ausflügen entlang des reißenden Flusses entdeckte er die Schönheit des am Rande des Wassers gelegenen Landes. Bunte Wiesen erstreckten sich bis zum Horizont, die ihn zum Ausruhen einluden. Er legte sich mitten hinein, genoss die Strahlen der Sonne und den warmen Regen, setzte dann auch recht schnell seinen Weg fort.Der war aber nicht immer so leicht. Manchmal versperrte ihm ein Sumpf, getränkt vom Wasser des Flusses, seinen Weg und er musste Stunden laufen, um ihn zu umgehen und seinen Weg fortsetzen zu können. Manchmal war das Ufer so nass und rutschig, dass er ausglitt und den Halt verlor. Einmal hätte ihn beinahe das reißende Wasser des Flusses verschlungen, als er keine andere Möglichkeit hatte, solch eine Stelle zu umgehen und seinen Weg mittendurch nehmen musste. Hier verlor er manchmal ein wenig den Glauben an den Erfolg seiner Reise und tiefe Traurigkeit und Verzweiflung überkamen ihn. Hatte sich die ganze Mühe gelohnt? Der Kampf durch das Dickicht, das Überwinden der Angst vor den tanzenden Schatten! Aber es gab kein Zurück mehr. Nachdem er die Schönheit des Lebens und Landes außerhalb seiner Lichtung gesehen hatte, konnte er nicht in die Einsamkeit und Dunkelheit seines Schlosses zurückkehren. So suchte er wieder die Stelle seines Halts auf, an der sein Pferd geduldig auf ihn wartete.Als die Sonne ein weiteres Mal hoch über ihnen stand, erblickte der Prinz einen kleinen Steg. Warum hatte er ihn nie auf seinen früheren Ausritten und Ausflügen gesehen?

Über dem Steg kreiste der Falke, wie eine Aufforderung für den Prinzen, diesen Weg zu betreten. Nur er allein konnte die Brücke überqueren. Er entließ seinen Schimmel in die Freiheit und betrat vorsichtig den Steg. Ein Bein vor das andere setzend, unter sich das Rauschen des Baches, über sich den Ruf des Falken, überquerte der Prinz den Strom. Am anderen Ufer angekommen, entdeckte er den kleinen Pfad wieder. Er folgte ihm tief in den Wald hinein.Nun bedurfte es keiner Dunkelheit mehr, das Glitzern zu sehen. Mit immer schneller und größer werdenden Schritten ging der Prinz dem Strahlen entgegen. Nichts konnte  dieses Licht aufhalten, keine Stämme dick wie Turmmauern und auch keine Büsche, so groß wie die Kronen der Bäume. Der Pfad wand sich nach links, lief nach rechts weiter, immer dem Glitzern entgegen.Der Wald lichtete sich und der Prinz konnte schon die Sterne am Himmel sehen, die von dem Glitzern angestrahlt doppelt so hell leuchteten wie sonst. Plötzlich stand der Prinz auf einer Lichtung, die der, auf der seine Burg stand, sehr ähnlich sah. Das Scheinen und Glitzern schien von der Mitte dieser Lichtung zu kommen. Vorsichtig näherte er sich dieser Stelle. Was würde ihn erwarten?Das Strahlen war so stark, dass der Prinz seine Augen mit der Hand bedecken musste. Trotzdem ging er weiter, wieder diesen Drang spürend. Er erreichte die Mitte der Lichtung und blickte in das Licht. Wo kam es her? Der Prinz traute seinen Augen nicht, als er einen kleinen silbernen Ring entdeckte, der die Quelle all des Glitzerns war.Behutsam berührte der Prinz den Ring. Es war, als würde dieser dem Prinzen entgegenstreben. Sacht hob er ihn auf. Der Ring schmiegte sich in die Hand des Prinzen, so, als wolle er von ihm aufgehoben und geborgen werden. Fest schloss er seine Hand um den Ring und spürte eine Woge der Wärme durch seinen Körper strömen, die auch bald sein Herz erreichte, welches plötzlich voller Sehnsucht war. Eine Sehnsucht, die er vorher noch nie verspürt hatte.Diese Sehnsucht sollte dem Prinzen seinen weiteren Weg zeigen, wohin auch immer ihn dieser führen würde. Der Falke verabschiedete sich mit einem lauten Ruf, der weit in das Land hallte.Der Prinz hielt den Ring immer noch fest in seiner Hand, spürte seine Wärme und eine magische Leichtigkeit. Seine Füße lösten sich von dem weichen Boden der Lichtung. Er strebte der Sonne entgegen. Wie von den Strahlen getragen, erreichte er die Wipfel der Bäume. Er konnte in ihren Kronen die Vögel nisten sehen. Langsam und sacht stieg er höher und höher. Die Lichtung wurde kleiner, verschwand bald ganz aus seinem Blick. Wo würde ihn die Kraft des Ringes hinführen?

Der Prinz erreichte die ersten Wolken. Sanft streichelten sie seine Wangen, als er durch sie hindurchglitt. Je höher er stieg, desto dichter wurden die Wolken. Er konnte nichts mehr sehen, aber der Ring in seiner Hand nahm ihm die Angst. Der Prinz schloss die Augen.Plötzlich spürte er Wärme in seinem Gesicht. Als er die Augen öffnete, erblickte er das Unfassbare. Der Prinz befand sich mitten in einer Stadt, viel schöner als die, die er auf den Bildern in seinen Büchern gesehen hatte. Häuser mit spitzen Dächern, deren Glas sich in der Sonne spiegelte. Kleine Türme, deren Spitzen strahlend leuchteten. Parks mit großen Bäumen, grünen Wiesen und klaren Seen. Auf den Wegen sah er anmutige Frauen und Männer gehen, gekleidet mit hellen fließenden Stoffen. Auch diese schienen zu glitzern. Der Prinz hatte in seinen Büchern von einem Feenreich weit über den Wolken gelesen, aber es immer für ein Märchen gehalten. Jetzt befand er sich mittendrin.Sein Blick wurde magisch von einer Frau angezogen, die auf einem Steg an einem der wunderschönen Seen saß. Er konnte ihr Gesicht nicht sehen. Der Ring in seiner Hand wurde immer wärmer, je näher er der Frau kam.Sie muss die Schritte des Prinzen gehört haben, denn als er hinter ihr stand, drehte sie sich um und blickte ihn an. Der Prinz öffnete seine Hand und der Ring auf ihr erstrahlte in einem Licht, das beide noch nie gesehen hatten. Die Frau fasste die Hand des Prinzen und auch sie wurde von der gleichen Wärme durchströmt wie zuvor der Prinz auf der Lichtung. Beide wussten, dass sich ihr Schicksal hier an dieser Stelle, in diesem Augenblick, vereinigte.

Und so sollte es auch geschehen. Hand in Hand, die Wärme ihrer Herzen spürend, zusammen geführt durch die magische Kraft des Ringes, gingen sie in ihre gemeinsame Zukunft. Und wenn sie nicht gestorben sind, dann...

Stille umgibt mich, Idylle.
Ein leiser Hauch von Wind
umstreift vorsichtig wehend mein Gesicht.
Die Strahlen der Sonne, wie sanfte Finger
umstreicheln sie meine Arme,
wärmen die Haut.
Strahlend blauer Himmel mit einem
Hauch von Wolken,
der kleine Schatten wirft,
dessen Bilder am Boden entlang huschen.
Lass sie uns einfangen,
sie sind einmalig und vergänglich.
Übrig bleiben Erinnerungen
an einen wunderschönen Sommertag.
In einer Unbeschwertheit schwebend
durchstreife ich die Landschaft
leicht wie ein Vogel im Wind gleitend.
Ich lasse die Erde unter mir und
strebe der Sonne entgegen.

16.03.05

Weite

Unendlich reicht der Blick,
legt sich über die karge Landschaft.
Trifft das wenige Grün des Bodens,
begegnet den Steinen dazwischen.
Entdeckt das Schimmern der Luft,
das Bilder entstehen lässt.
Erreicht die Berge in der Ferne.
Nur aufgehalten von der menschlichen Endlichkeit.

01.08.06

Kleine Pilzphilosophie

1. Man findet einige Pilze am Wegesrand, aber um richtig Pilze zu finden, muss man den Weg verlassen.
2. Schaut man nur stur gerade nach unten, sieht man nur wenige Pilze. Der blick muss schweifen, damit man die Pilze entdeckt.
3. Wo ein Pilz steht, stehen oft auch andere.
4. Oft führt der Weg zu einem Pilz durch ein dichtes Gestrüpp, das einem die Beine zerkratzt.
5. Manchmal sind im Gestrüpp auch Tiere, die Krankheiten verursachen können. Das Abweichen vom vorgegebenen Weg ist also nicht ganz ungefährlich.
6. Man muss auch mal einen Pilz stehen lassen, für andere ... Tiere.
7. Lass dich nicht vom Aussehen täuschen, denn manchmal steht neben einem ungenießbaren ein genießbarer Pilz.
8. Manche Pilze verstecken sich und lassen sich unter Blättern und Nadeln nur schwer finden. Das sind die kostbarsten ... Pilze.
9. Nicht immer sind die größten Pilze die schmackhaftesten.
10. Manchmal dauert es lange, bis man einen Pilz findet. Aber vertraue deinem Gefühl, denn das weiß, wo der Pilz steht.
11. Gehe nur Pilze suchen, wenn es soweit ist.
12. Denke immer daran, die Wurzel des Pilzes stehen zu lassen, sonst wirst du beim nächsten Mal keine Pilze mehr finden.
13. Genieße es, durch den Wald zu gehen. Denn weißt du das nicht zu schätzen, werden sich die Pilze nicht zeigen.
14. Übersieh nicht die anderen schönen Dinge, die dir im Wald begegnen.
15. Es kann passieren, dass die Pilze, die am schönsten aussehen, giftig sind.
16. Höre auf die Melodie des Waldes.
17. Hat man einen Pilz entdeckt, schneide ihn vorsichtig über der Wurzel ab oder drehe ihn sanft heraus und lege ihn sachte – nicht werfen – in den Korb, damit er atmen kann.
18. Manchmal sieht ein Pilz schön aus, auch, wenn man ihn abschneidet ist noch alles in Ordnung. Aber wenn er aufgeschnitten wird, stellt sich heraus, dass er völlig madig ist.

09.09.06

Dünenträume

Weiße Wolken, federleicht,
am Himmel.
Verdeckt von den tiefen grauen,
die es den Sonnenstrahlen erschweren,
die Erde zu treffen.
Sanft wiegt das Gras der Dünen
im seichten Wind.
Springen, spielen Seehunde in
den Wellen des Wassers.
Vögel mit langen Beinen
hüpfen am Strand,
weichen dem kühlen Wasser aus,
das ihre Federn glitzern lässt,
in der Kühle des Herbstes,
der sich über die Insel legt
und den Sommer nur noch
in den Inselnächten zum
Klingen bringt.

26.10.07

Kraft

Kilometerweite Trockenheit,
graue Gräser.
Wind jagt die Wolken davon.
Eine Pfütze, in der Flamingos stehen.
Guanacos zupfen daneben an dem
wenigen Grün.
Plötzlich, in der Ferne,
schimmert Grün.
Immer näher kommend,
immer mehr ausfüllend.
Wiesen, Sträucher, Bäume
hervorgebracht durch das
blaue Band,
das seinen Weg durch
die Trockenheit gesucht hat.

09.02.2010